ungewöhnlich Einsichten zu Thema Leiterschaft

Transkript:
Wenn Sie viel über vieles über das Führungsverhalten wissen und eine Bewegung ins Leben rufen, dann lassen Sie uns eine Bewegung entstehen, von Anfang bis Ende, in weniger als 3 Minuten, und analysieren Sie einige Lektionen:

Ein Anführer braucht den Mumm allein zu stehen und dabei lächerlich auszusehen. Aber was er tut, ist so einfach, beinahe lehrreich. Dies ist der Schlüssel. Es muss leicht sein Ihnen zu folgen!

Jetzt kommt der erste Anhänger mit einer bedeutenden Rolle: er zeigt jedem öffentlich, wie man folgt. Beachten Sie, dass der Anführer ihn als gleichwertig betrachtet, es geht nicht mehr nur um den Anführer - es geht um sie, Plural. Beachten Sie, dass er seine Freunde aufruft mitzumachen. Man braucht Mumm um der erste Anhänger zu sein! Sie fallen auf und machen sich tapfer lächerlich. Der erste Anhänger zu sein ist eine unterschätzte Form der Führung. Der erste Anhänger macht aus einem einzelnen Fanatiker einen Führer. Wenn der Führer der Feuerstein ist, dann ist der erste Anhänger der Funke, der das Feuer entzündet.

Der 2. Anhänger ist der Wendepunkt: er ist der Beweis, dass der erste gut gearbeitet hat. Jetzt ist er kein einzelner Fanatiker, und es sind nicht zweit Fanatiker. Es gibt eine Menge und eine Menge ist etwas Neues.

Ein Bewegung muss öffentlich sein. Stellen Sie sicher, dass Außen stehende mehr sehen als nur den Anführer. Jedermann muss die Anhänger sehen, weil neue Anhänger den Anhängern nacheifern - nicht dem Anführer.

Jetzt kommen hier 2 weitere, dann 3 weitere. Jetzt kommen wir in Schwung. Das ist der Wendepunkt! Jetzt haben wir eine Bewegung!

Da immer mehr Menschen dazukommen, ist es nicht länger ein Risiko. Wenn sie sich vorher heraus halten wollten, gibt es dafür jetzt keinen Grund mehr. Sie machen sich nicht lächerlich, sie fallen nicht auf und, wenn sie sich beeilen, werden sie Teil des inneren Kreises. In der nächsten Minute werden Sie die kennen lernen, die bevorzugen ein Teil der Menge zu sein, weil sie sich lächerlich machen würden, wenn sie sich nicht anschlössen.

So, meine Damen und Herren, wird eine Bewegung ins Leben gerufen! Lassen Sie uns kurz wiederholen, was wir gelernt haben:

Wenn Sie eine Form des Dancing Guy mit freiem Oberkörper sind, ganz allein, dann denken Sie an die Notwendigkeit, Ihre ersten Anhänger als Gleichwertige zu pflegen und lassen Sie diese alles über die Bewegung klarstellen.

Gehen Sie in die Öffentlichkeit! Machen Sie eine Gefolgschaft leicht!

Aber die wichtigste Lektion hier - haben Sie die verstanden?

Führung ist über-glorifiziert.

Ja, es begann mit dem Typ mit dem freien Oberkörper und er bekommt alle Anerkennung, aber Sie wissen, was tatsächlich passiert ist:

Es war der erste Anhänger, der aus einem einsamen Fanatiker einen Führer machte.

Es gibt keine Bewegung ohne den ersten Anhänger.

Uns wird erzählt, dass wir alle Führer sein müssen, aber dies wäre ziemlich ineffektiv.

Der beste Weg um eine Bewegung ins Leben zu rufen ist, wenn Sie das wirklich interessiert, mutig zu folgen und anderen zu zeigen, wie man folgt.

Wenn Sie einen einsamen Fanatiker finden, der etwas großartiges tut, haben Sie den Mumm, die erste Person zu sein, die aufsteht und mitmacht.

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Das Vater unser erklärt (Mt 6,5-15)

Dieser Abschnitt gehört wohl zu einem der bekanntesten Verse der Bibel. Heute noch beten Millionen von Menschen diesen Text als Teil der Liturgie im Gottesdienst. Viele haben angemerkt, dass Jesus hier keine Gebetsschablone vorgegeben hat, die wir nun einfach zu kopieren haben. Viele sehen in dem Vater unser vielmehr eine Zusammenfassung wichtiger Leitlinien für das Gebet. Wiederum fällt auf, dass Jesus hier die Vertrautheit einer Vater-Kind-Beziehung als Ausgangspunkt des Gebets wählt. Das Gebet ist also kein Tauschgeschäft oder ein Mittel, um Gott zu kontrollieren - oder gar zu informieren. Gebet ist in erster Linie Beziehung mit Gott dem Vater. Der Name des Vaters soll „geheiligt“ werden. Wenn man eine Person, eine Erfahrung oder einen Gegenstand als heilig ansieht, dann spricht man äußerste Wertschätzung zu. Diese Person hebt sich von allen anderen ab und ist etwas absolut besonderes. Den Namen Gottes zu heiligen meint genau das, man versucht bewundernde Wertschätzung auszudrücken, dass diese Person unter allen anderen hervorsticht. Denn diese Person ist etwas sehr Besonderes. In der Christenheit der Begriff der „Anbetung“ für diese Form des Gebets durchgesetzt. Und diese ausgedrückte Dankbarkeit bezieht sich vor allem darauf, wer Gott ist. Die Juden haben in dem Namen einer Person sein ganzes Wesen gesehen. Der Wunsch danach, dass Gottes Reich kommen soll, wird von Jesus im nächsten Satz genauer bestimmt. Die vielleicht beste Definition für das Reich Gottes ist, dass Gottes Wille auf der Erde realisiert wird, wie es im Himmel schon der Fall ist. Und dieser Wunsch ist ein gefährlicher Wunsch. Denn wenn Gottes Reich kommen soll, dann muss es bei mir anfangen. Dann muss Gottes Wille zunächst in meinem Leben realisiert werden. Wer diesen Satz unter diesem Gesichtspunkt betet, der wird sich für Veränderung öffnen. Dann kann man nicht mehr so bleiben, wie man ist. Natürlich haben die Juden mit diesem Satz auch die Hoffnung verbunden, dass der Messias kommen wird, um als König aufzutreten und von Israel ausgehend die Welt gerecht regieren würde. Damit zusammen fällt auch die Hoffnung, dass es ein großes Gericht geben wird, in dem Gott für Gerechtigkeit sorgt. Unser tägliches Brot hängt natürlich mit davon ab, ob wir unseren Lebensunterhalt erarbeiten oder nicht. Aber heute wie damals spielen hier viele viele Faktoren eine Rolle, die wir nicht in der Hand haben. Das Bewusstsein um diese Abhängigkeit macht demütig und Dankbar für Gottes Fürsorge. Bemerkenswert ist, dass wir uns nicht scheuen brauchen, unsere Bedürfnisse und Anliegen Gott zu sagen. Auch wenn Gott alles weiß, kann das ein Ausdruck von Vertrautheit und Nähe sein. Dann schneidet Jesus das durchaus sensible Thema der Vergebung an. Vielleicht ist die beste Art, diesen Abschnitt zu sinnvoll verstehen, ihn auf das Empfangen von Vergebung zu beziehen. Gottes Vergebung durch Jesus ist universell, d.h. das Blut Jesu hat für alle Sünden aller Menschen ausgereicht (vgl. Kol 1,20). Allerdings können wir Menschen unser Herz für Vergebung unempfänglich machen. Es kann auch sein, dass Menschen Dinge erlebt haben, die sie für Vergebung unempfänglich gemacht haben oder es zunächst unmöglich machen, anderen zu vergeben. In jedem Fall gibt es aber eine gewisse Verbindung zwischen unserer Bereitschaft und Kapazität, anderen Menschen zu vergeben und unserer Kapazität, Gott Vergebung empfangen und erfahren zu können. Jesus erklärt dieses Prinzip in V.14+15. Es ist möglich, dass Gottes Vergebung an uns abprallt, weil sie keine Haftung in unserem Herzen finden kann. Die Bitte nach Erlösung von dem Bösen kann zweierlei bedeuten. Zum einen kann sich die Erlösung von dem Bösen auf äußere Umstände beziehen. Dann meint es die Bitte, äußere Versuchungen und Dinge, die zur Sünde verleiten können, fern zu halten. Zum anderen kann sich die Bitte aber auch auf eine innere Erlösung beziehen. Vielleicht gibt es Dinge im Leben, vielleicht Sünden und Charakterschwächen, in denen man sich gefangen fühlt. Die bitte nach Erlösung ist damit der Wunsch, sich von diesen Dingen zu lösen. Befreiung ist dabei nie ein passiver Vorgang, bei dem wir einfach bitten und Gott den Rest tut. Vielmehr arbeitet Gott mit uns zusammen, so dass unser Herz anders wird, unsere Gewohnheiten anders werden, so dass sich ein neuer Charakter bildet.

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Die Seligpreisungen erklärt (Matthäus 5, 1-11)

In der Bergpredigt lehrt Jesus über verschiedene Grundsätze des Reiches Gottes. Er erklärt, welche Werte, welcher Herzschlag und welche Art von Kultur das Reich Gottes ausmachen. Zu Anfang geht es um die sogenannten „Seligpreisungen“. Die Seligpreisungen haben gemeinsam, dass sie jeweils definieren, welche Art von Menschen als glückselig gelten. Was auch immer mit diesem Begriff gemeint ist, es hat etwas damit zu tun, dass man etwas sehr entscheidendes richtig macht. Menschen, die so leben, die kommen dem sehr nahe, was Gott sich unter Menschsein vorstellt. Diese Art von Menschen sind im Reich Gottes willkommen, ja sie repräsentieren das Reich Gottes. Nun werden verschiedene Attribute genannt, die diese Menschen charakterisieren. Zu allererst wird genannt, dass Menschen, die „arm im Geist“ sind das Reich der Himmel geschenkt bekommen bzw. ererben werden. Dieser Begriff ist unterschiedlich verstanden worden. Vielleicht interpretiert die „Neues Leben Übersetzung“ diesen Text am besten, hier wird übersetzt: „die erkennen, dass sie Gott brauchen“. Demnach ist die Voraussetzung, um am Reich Gottes teilhaben zu können, das Bewusstsein, dass es ohne Gott nicht geht. Weder in diesem Leben, noch in einer zukünftigen Welt. Weitere Attribute sind Traurigkeit, Freundlichkeit, Bescheidenheit, der Hunger nach Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, ein reines Herz, das Bemühen um Frieden, das aushalten von Verfolgung aufgrund der Bemühung für Gerechtigkeit (V.2-12). Hier wird ein sehr interessantes Bild gezeichnet. Zum einen geht es um Menschen, die sich von dem Zustand dieser Welt noch bewegen lassen. Wann war das letzte Mal, dass ich über den Zustand dieser Welt und bestimmter Menschen weinen musste? Wer Teil des Reiches Gottes ist, der sieht nicht weg, der betäubt sich nicht, der stumpft nicht ab, sondern der leidet und empfindet mit. Sie werden allerdings nicht bitter, sie sind durch Freundlichkeit gekennzeichnet. Sie kämpfen gegen die Ungerechtigkeit der Welt an, aber sie gehen niemals mit Gewalt vor. Ihre Waffen sind Liebe und Aufopferung. Deswegen halten sie sogar Verfolgung aus, aber sie behalten ein reines Herz. Ihre Motive sind der Hunger nach Gerechtigkeit, kein Hass. Hinter dem Begriff der Gerechtigkeit steht der Gedanke, dass jeder das bekommen soll, was ihm zusteht. Somit wendet sich der Begriff gegen jede Art von Ausbeutung, Diskriminierung, Benachteiligung und Ausgrenzung. Sie bemühen sich für den Frieden. Im jüdischen Denken war Frieden immer die Sehnsucht nach dem Schalom. Damit ist der Frieden zwischen Gott und Mensch, zwischen den Menschen untereinander, Frieden mit der Umwelt und Frieden mit sich selber gemeint. Was hier auffällt ist, dass es immer um das Herz des Menschen geht. Es geht nicht um den richtigen Glauben im Sinn einer dogmatischen Rechtgläubigkeit. Es geht maximal darum, ob man die Hoffnung für diese Welt bereits aufgegeben hat oder nicht. Der essentielle Glaube ist der Glaube an die Zukunft der Welt.

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Alles wird so bleiben wie es ist, es sei denn, du hast Phantasie, etwas kriminelle Energie und nette

Kampfansage gegen den Status Quo

von Jason Liesendahl, Samstag, 5. Februar 2011 um 11:56

Ägypten brennt. Hunderttausende haben für ihre Würde und für eine bessere Zukunft demonstriert. Und viele sind immer noch auf den Straßen. Der Al-Dschasira-Korrespondenten Aktham Suliman hat in einer Talkshow vor ein paar Tagen versucht zu verdeutlichen, wie es dazu kam, aber auch, wieso die Menschen in den letzten dreißig Jahren keinen Umsturz einleiten konnten. Suliman erzählte die Geschichte eines tunisischen Akademikers, der keinen Job bekommen hatte und daher einen Gemüsestand betrieben hat, um zu überleben. Als Akademiker ist das eine demütigende Erfahrung, erwartet man doch einen anderen Job und ein anderes Leben. Allerdings hat sich dieser Mensch damit abgefunden, da ihm klar war, dass es in diesem Land keine Möglichkeit gab, ein besseres Leben zu führen. Als dann aber aus irgendwelchen Gründen ihm dieser Gemüsestand von offizieller Seite her abgenommen wurde, beschwerte er sich. Doch auf dem Amt gab man ihm Backpfeifen! Seine Würde wurde mit Füßen getreten. Suliman meinte weiterhin, dass diese Geschichte sich schnell herumsprach und sich auf Seiten wie Facebook oder Twitter verbreitete. So entstanden seiner Meinung nach die ersten Demonstrationen in Tunesien, die dann vor ein paar Wochen dazu führten, dass die tunesische Regierung aufgab. Das brachte einen Stein ins Rollen. Das änderte alles. Denn jetzt entstand Hoffnung. Scheinbar konnten sich die Menschen, die heute in verschiedenen arabischen Ländern auf die Straße gehen, keine andere Vorstellung von der Zukunft machen. Erst als in Tunesien eine Veränderung passierte, wurde die Vorstellungskraft der anderen Länder befreit.

 

Mich spricht das sehr an. Wie viele Jahre kann man mit der Vorstellung leben, dass der Status Quo alles ist. Es geht oft gar nicht darum, dass man nicht an eine Veränderung glauben kann. Oft fehlt der Schritt davor: eine Vorstellung davon, wie es anders sein kann. Man wird sich nicht gegen den Status Quo auflehnen, wenn man keine befreite Vorstellungskraft hat. Fehlt es nicht oft an Phantasie? Ich ertappe mich dabei, dass ich mich frage, ob mein Leben mehr als Arbeit, Familie, Luxus, Sicherheit und Spaß sein kann. Bevor ich allerdings glauben kann, dass es mehr gibt, brauche ich erst einmal eine Vorstellung. Dann erst kann ich entscheiden, ob ich an die Realisierung glaube oder nicht! Ich wünsche mir einen ähnlichen Aufstand, einen Aufstand der Seele. Ein Aufstand, der sich gegen ein abgespecktes Leben auf Sparflamme richtet. Daher begebe ich mich auf die Suche nach anderen Aufständlern. Nach anderen Verrückten, die von einer anderen, besseren Zukunft träumen. Einige Verrückte habe ich bereits gefunden. Und Gott ist derjenige, der diesen Aufstand anzettelt. Jesus kam, um uns zu zeigen, dass Leben mehr sein kann. Er ist die Inspiration, die unsere Vorstellungskraft ankurbelt und befreit. Gemeinsam sind wir im Aufbruch. Hoffentlich kommen viele Steine ins Rollen. Vielleicht braucht diese Welt nichts dringender, als Menschen, die mit offenen Augen träumen, deren Seele und Phantasie befreit ist um aufzustehen.

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wegrennen ist keine Alternative

Weglaufen ist keine Alternative

 

An einem Samstag fuhren wir zu einem Abenteuerspielplatz. Ein Kindheitstraum, allerdings nicht für mich. Schon damals interessierte ich mich mehr für Fußball. Zum Glück durfte ich einige meiner Freunde mit auf den Familienausflug nehmen. Und als dann auch noch direkt neben dem Abenteuerspielplatz ein riesiger Fußballplatz war, begann der Nachmittag doch noch interessant zu werden. Der Fußballplatz war zwar besetzt, denn es spielten zwei richtige Mannschaften, viele Zuschauer standen um die Bande herum und es gab eine Menge zu sehen. Ich war gerade einmal groß genug um über die Bande zu gucken, doch dann stellte sich dieser Schrank von einem Dreizehnjährigen hinter mich. Er war bestimmt eine Kopf größer und mindestens doppelt so schwer. In einem unvergesslichen Tonfall befahl er, mir zur Seite zu gehen, er könnte nichts sehen. Ich erwiderte erst einmal, er solle selber zur Seite gehen. Jetzt  wurde er etwas wütend und knurrte mich an, ich soll das Maul halten. Als ich mich dann aber umdrehte und zu ihm hochguckte, entschloss ich mich selber einen anderen Platz zu suchen. Ein paar Meter weiter rechts war dann auch eine Stelle frei und die Sache schien gegessen. Aber einen Augenblick später hörte ich wieder die bekannte Stimme. Er stand wieder hinter mir und maulte, nichts sehen zu können. Meine Güte, ich wollte keinen Ärger, erst recht keine Prügelei. Damit hatte ich kaum Erfahrung und die Ausgangslage war außerdem mehr als ungünstig. Als ich mich umdrehte und ihm gerade genervt erklären wollte, dass er mich gefälligst das Spiel angucken lassen soll – bemerkte ich, dass er nicht alleine war. Jetzt hat er drei Gorillas dabei. Meine Freunde kamen mittlerweile auch dazu, allerdings waren sie eher Hemdchen gegen den Kotzbrocken und seine Söldnertruppe. Ein Blick genügte und meine Freunde signalisierten mir, dass sie die Lage einschätzten wie ich. Die Jungs mochten älter und stärker sein, doch würden wir schneller sein. Daher nahmen wir reiß aus. Wir mussten ungefähr 500 Meter laufen, dann würde meine Mutter das Problem lösen. Erwartungsgemäß waren wir schneller. Unsere Verfolger waren sehr unbeholfen, allerdings stieg ihre Wut mit jedem Meter, den sie jetzt rennend zurücklegen mussten. Dann fanden wir meine Mutter. Wir waren gerettet. Und während wir keuchend verschnauften, ergoß sich ein Schwall von tadelnden Worten über unsere Verfolger. Meine Mutter faltete die Truppe so richtig zusammen. Das werde ich nie vergessen – ebenso wie das Gefühl von eigenem Versagen. Wir hatten noch nicht einmal versucht zu kämpfen. Wir hatten klug gehandelt, aber feige.

 

Seit diesem Samstag hat es in meinem Leben viele Situationen gegeben, in denen ich vor der Wahl stand, wegzurennen oder mich einem Kampf zu stellen, den ich vielleicht verlieren würde. Die Situationen waren total unterschiedlich. Öfter stellte ich mir die Frage, ob es in einer bestimmten Situation nicht besser wäre, in eine andere Stadt zu ziehen und mir neue Leute zu suchen. Auch in meinem Job gab es solche Phasen, in denen ich mir vornahm, etwas anderes zu machen. In meinem Bekanntenkreis kam es mehr als einmal vor, dass Menschen sagten, sie müssten aus einer Beziehung flüchten. Aber was alle diese Situationen gemeinsam hatten war, dass mir oder anderen die Hoffnung gefehlt hat, dass sich etwas ändert. Manchmal waren diese Situationen recht undurchsichtig. Denn die Flucht sah hier weniger aus wie ein Wegrennen, es war eher wie ein Aufgeben. Und wenn man aufgibt, dann dauert es nicht lange und man trifft Entscheidungen, die das eigene Leben und das Leben anderer zu weniger machen, als es sein sollte. Man verkauft sich unter dem Wert. Da gehen Menschen Beziehungen mit Partnern ein, wo jeder – einschließlich der Betroffenen – weiß, dass diese Geschichte weder halten wird, noch sonderlich glücklich verlaufen wird. Aber die Hoffnung fehlt, dass jemand besseres ins Leben treten wird. Manche Leute treffen solch haarsträubende Entscheidungen, dass es wirklich weh tut. Mich macht so etwas traurig. Ich habe Leute vom Knast abgeholt und direkt in die Drogenszene gehen sehen. Weil sie nicht glaubten, dass ihnen geholfen werden kann. Einer hat es vorgezogen, auf der Straße zu leben, weil er nicht glaubte, dass etwas in seinem Leben anders werden kann.

 

Meine Vermutung ist, dass wir Menschen wissen, dass wir uns mit weniger zufrieden geben, als möglich und notwendig wäre. Und daher glaube ich ebenfalls, dass wir alle mit dem Gefühl des Versagens umherziehen. Das ist unser Lohn dafür, feige zu handeln. Allerdings muss das nicht sein!

 

Mir hat hier ein gewisses Umdenken geholfen. Und zwar half mir folgender Gedanke: Das einzige, was du an deiner Situation ändern kannst, bist du selber! Wenn das wahr ist, dann ist weglaufen keine Alternative, denn egal wohin ich fliehe, ich nehme mich immer selber mit. Und nach einer kurzen Zeit wird das Problem wieder neu entstehen. Mich inspiriert hier eine kurze biblische Geschichte aus 2.Samuel 23. Zugegeben, diese Geschichte hört sich sehr nach Mel Gibson an (wer unter 16 ist, bitte nicht weiterlesen): „Einst kämpfte Eleasar gegen die Philister. Nachdem das ganze Heer Israels die Flucht ergriffen hatte, tötete er Philister um Philister, bis seine Hand zu müde war, um sein Schwert zu heben. So schenkte der Herr den Israeliten an jenem Tag einen großen Sieg. Sie kehrten um und sammelten die Beute ein.“ Wenn einer hätte fliehen sollen, dann Eleasar. Die Schlacht war schon verloren, alle hatten das begriffen. Außerdem bäumte sich keiner mehr auf. Alle rannten weg. Was muss in dem Kopf von Eleasar vorgegangen sein? Was hat er sich gedacht? Glaubte er, er könnte alle Philister bekämpfen und besiegen? Ich denke nicht. Das wäre naiv gewesen. Allerdings hatte Eleasar eine Entscheidung getroffen. Er konnte seine Situation nicht verändern. Er hatte keine Möglichkeit, sein Kameraden zum bleiben zu überreden. Er war der letzte, der einzige, der übriggeblieben ist. Nein, die Umstände waren nicht zu verändern. Er hatte nur Einfluss darauf, wie er sich entscheiden würde. Und er entschied sich dazu, lieber zu sterben, als aufzugeben. Er wollte leben, allerdings nicht als Sklave einer barbarischen ausbeuterischen Nation. Vielleicht dachte er an seine Kinder, sollten sie als Sklaven leben? Was war mit seiner Frau? Eleasar traf hier eine Grundsatzentscheidung: Er würde nicht so leben wollen, er würde kein Leben akzeptieren, dass von Flucht, Unterdrückung, Gefangenschaft und Ungerechtigkeit gekennzeichnet sein würde. Daher war dieses Schlachtfeld mehr als nur ein Kriegsschauplatz. Hier entschied sich Eleasar, wofür es sich zu leben und zu sterben lohnte. Vielleicht liegt hier der Schlüssel. Wer gefunden hat, wofür es sich zu leben lohnt, der wird auch dann nicht wegrennen, wenn es ans sterben geht.

 

Eine Geschichte, die ich eigentlich nicht erzählen darf. (Daher bleibt die Geschichte unter uns, lieber Leser). In einer Unterrichtsstunde wurde eine Durchsage gemacht. Alle Lehrer hätten sich in der Pause dringend im Lehrerzimmer zu versammeln. Als ich im Lehrerzimmer eintraf, waren die meisten anderen Lehrer bereits da. Die Schulleitung wirkte sehr betroffen und nervös. Ein Polizist war anwesend. Und wurde berichtet, dass die Polizei einen Hinweis bekommen hatte, dass es an diesem Tag einen Amoklauf an einer Schule des Stadtteils geben solle. Leider betraf das nur unsere Schule und eine weitere. Eine Woche vorher hatten wir bereits auf einer Toilette Kritzeleien entdeckt, die sehr stark in diese Richtung gingen. Der Amoklauf wurde für 10 Uhr angekündigt. Was dann im Lehrerzimmer los war, kann man sich vielleicht denken. Es entstand eine rege Diskussion. Letztlich sollte der Unterricht weitergehen und keiner der Schüler sollte etwas erfahren. Die Polizei nahm vor dem Eingang Stellung, was mich weniger beruhigte, da es dutzende Stellen auf dem Gelände gab, die man alternativ benutzen konnte. Bevor es wieder losging, ging ich auf die Toilette um mich zu sammeln. Ich musste eine Entscheidung treffen. Und hier ging es um mehr, als um die Frage, ob ich jetzt einfach gehen sollte. Die Frage war, ob es die Sache wert war. War es die Sache wert, jetzt herauszugehen, mein Bestes zu geben und die Schüler zu unterrichten. Wenn es die Sache nicht wert sein sollte, dann würde ich mir die nächsten paar Jahrzehnte bis zur Rente etwas vormachen. Denn dann würde ich etwas leben, das es nicht wert ist, gelebt zu werden. Ich ging aus der Toilette in den Unterricht. Dafür bin ich gemacht. Es lohnt sich. Ach, und nebenbei. Ein Schüler der anderen Schule wurde verhaftet. Zum Glück, dann ich habe das Gefühl, dass Gott noch etwas mit meinem Lehrerdasein vor hat. Es gibt noch viel zu tun, zu erleben und zu gewinnen. Es ist das Gefühl, ein Stück mehr gefunden zu haben, wofür es sich zu leben lohnt.

 

 

 

 

 

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Gott hat keinen (!) wunderbaren Plan für dein Leben – zum Glück!


 

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich in einem Gottesdienst saß und den Prediger folgenden Satz sagen hörte: „Gott hat einen wunderbaren Plan für dein Leben“. Irgendetwas in mir wurde durch den Satz angesprochen. Es war diese Sehnsucht, dass mein Leben nicht vergebens und dem Zufall ausgesetzt sein sollte. Wenn es einen Plan geben würde, eine höhere Idee, einen Part, den ich zu übernehmen hätte, wenn es eine Aufgabe gäbe, die nur ich lösen könnte – dann wollte ich in diese Richtung gehen. Denn schon immer hatte ich eine Abneigung gegenüber einem Lebensstil, der einfach alles an sich raffte, nur um das Loch in der Seele zu stopfen. Dabei hatte ich Menschen beobachtet, die sich wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen verhalten haben. Für mich war klar, dass ich lieber einen direkteren Weg zum Sinn des Lebens gehen wollte – ohne zu viel Enttäuschung und ohne zu viel Schaden anzurichten. Daher wollte ich das mit dem Plan für mein Leben genauer wissen. Also fing ich an – wie man das ja in der Kirche lernt – in der Bibel zu suchen. Dieser Prediger hatte mir leider nicht gesagt, aus welchem Bibeltext er herausgefunden hatte, dass Gott wirklich einen Plan für mein Leben hat. Es dauerte einige Zeit, eigentlich sogar sehr viel Zeit, bis ich schließlich folgenden Vers gefunden hatte: „Der Mensch erdenkt sich seinen Weg, aber Gott lenkt seine Schritte“ (Sprüche 16,9). Auf diesen Vers baute ich meine ganze Hoffnung: Ich werde von Gott geführt und folge damit seinem Plan, seinem Drehbuch für mein Leben. Die Herausforderung bestand lediglich darin, den Plan „lesen“ zu können. Im religiösen Jargon redet man davon „Gottes Willen zu erkennen“. Und je eifriger man versucht, Gottes Willen zu erkennen, desto unglaublich blöder und lebensfremder kann das werden. Da sucht man nach gewissen „Zeichen“ oder nach bestimmten Bibelstellen, die einem sagen, welchen Beruf man nehmen sollte – oder sogar mit welcher Frau man das Leben verbringen sollte! In einem Buch las ich einen Witz über diese Art Entscheidungen zu treffen: Ein Mann sagte zu Gott, dass wenn die Frau, die er liebte, sich neben ihm auf eine Bank im Park setzen würde, sie die richtige fürs Leben sei und er sie heiraten würde. Leider war die Bank frisch gestrichen und die beiden kamen nie zusammen. In einer bestimmten Situation meines Lebens fragte mich ein Mädel ob ich glaubte, dass es Gottes Wille sei, dass wir zusammenkommen würden. Das war für mich der Punkt, an dem ich langsam Zweifel darüber bekam, ob dieses ganze Denken mit „Zeichen“, „Gottes Willen“ und vor allem dem über alles stehenden „Plan“ wirklich so stimmen konnte. Mir schien es nach einer Weile so, als ob ein bestimmter Schlag von Mensch einfach Angst hat, Fehler zu machen und sie lieber „Gottes Willen“ folgten, denn dann konnten sie ja keine Fehler machen. So war sicher gestellt, dass man den richtigen Beruf, den richtigen Wohnort, das richtige Auto und natürlich die richtige Frau findet. Und eine Ehe „im Willen Gottes“ kann folglich nicht scheitern. Ich gehörte nach einer Zeit nicht mehr zu diesen Menschen, denn ich machte bittere Fehler. Und irgendwie merkte ich, dass es nur eine Sache gibt, die schlimmer ist als der Fehler an sich: die Angst, Fehler zu machen! Diese Angst nimmt Menschen gefangen und bringt sie dazu, Dinge im Leben kontrollieren zu versuchen, die man nicht kontrollieren kann.

 

Ich hatte weiter in der Bibel gelesen und kam noch weiter hinten an eine andere Stelle: „Wir sind Gottes Meisterstück, geschaffen in Christus, zu guten Werken, die er selber vorbereitet hat.“ (Epheser 2,10) Ich weiß nicht, wie gut ich diesen Vers verstanden habe, allerdings hat mir mein Freund Kolja geholfen. Er selber ist Künstler und hat mir einiges darüber erklärt. Beispielsweise die Sache mit dem Potential. Ich als Laie sehe lediglich Pinsel, Farben und Leinwand. Er als Künstler sieht aber bereits das fertige Bild vor seinem inneren Auge. Er als Künstler kann sehen, was aus einer weißen Leinwand werden kann. Dieser Bibelvers behauptet jetzt, dass wir Menschen beides sind: Wir sind Kunstwerk und Künstler. Demnach ist es Gott, der unsere Werke vorbereitet. Er stellt uns Farben, Pinsel und die Leinwand. Er unterstützt uns wo es geht, aber wir sind diejenigen, die das Bild malen sollen. Unsere Kreativität ist gefordert. Gott gibt uns die Freiheit unser eigenes Leben zu leben. Er hat uns Talente, Leidenschaften und spezifische Lebensumstände gegeben. Nun liegt es an uns daraus etwas zu machen. Diese Sicht ist sicherlich gefährlich. Denn so haben wir keine Garantie, dass unsere Entscheidungen immer richtig sein werden und unser Leben ohne Fehler verlaufen wird. Vielmehr ist es sehr wahrscheinlich, dass wir Fehler machen werden, dass Schaden entsteht und Enttäuschungen verursacht werden. Denn jetzt sind wir selber verantwortlich. Aber dennoch besteht jetzt eine Hoffnung: Denn das Leben folgt jetzt keinem Plan mehr, es geht jetzt darum, dass etwas schönes, liebeswertes, lebenswertes und wunderbares entsteht. Und dieser Gott, der uns zum Leben freisetzt, der ist es, der uns unterstützt, der mitmacht und uns begleitet. Gott ist die Inspiration meines Lebenswerkes. Er hat Spaß daran. Ich jetzt auch.

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Was zählt?

Lara S. ist tot. Sie lebte dreizehn Jahre und starb an einem Gehirntumor. Die meisten meiner Schüler kannten sie, denn sie war in der Parallelklasse. Tiefe Betroffenheit. Tränen. Das erinnerte mich an Jörg, der mit seinem Auto aus einer Kurve flog, sich mehrfach überschlug und in diesem Moment den Film sah. Den Film, in dem das Leben an einem vorbeizieht. Und dazu kam die Frage: Wozu war mein Leben gut, was bleibt übrig, was hat gezählt? In diesem Moment hatte er ein bild vor Augen. Auf einer Tafel stand: Null. Als er wieder zu sich kam wurde diese Frage ein Auslöser für eine sehr grundlegende Änderung in seinem Leben. Er wollte nun ein Leben leben, das zählt. Laras Tod ist furchtbar und es ist schwierig Worte zu finden, die nicht platt und unpassend klingen. Wir können nicht beeinflussen wann und wie wir sterben. Aber wir können bestimmen wie wir leben. Ich wünsche Laras Eltern und Freunden, allen Schülern und betroffenen Lehrern viel Kraft die Trauer auszuhalten. Und uns allen wünsche ich, dass wir Leben bevor wir sterben, ein Leben das zählt. Jesus sagt: "Wer an mich glaubt wird leben, auch wenn er stirbt" (Johannes 10)

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