Alles wird so bleiben wie es ist, es sei denn, du hast Phantasie, etwas kriminelle Energie und nette

Kampfansage gegen den Status Quo

von Jason Liesendahl, Samstag, 5. Februar 2011 um 11:56

Ägypten brennt. Hunderttausende haben für ihre Würde und für eine bessere Zukunft demonstriert. Und viele sind immer noch auf den Straßen. Der Al-Dschasira-Korrespondenten Aktham Suliman hat in einer Talkshow vor ein paar Tagen versucht zu verdeutlichen, wie es dazu kam, aber auch, wieso die Menschen in den letzten dreißig Jahren keinen Umsturz einleiten konnten. Suliman erzählte die Geschichte eines tunisischen Akademikers, der keinen Job bekommen hatte und daher einen Gemüsestand betrieben hat, um zu überleben. Als Akademiker ist das eine demütigende Erfahrung, erwartet man doch einen anderen Job und ein anderes Leben. Allerdings hat sich dieser Mensch damit abgefunden, da ihm klar war, dass es in diesem Land keine Möglichkeit gab, ein besseres Leben zu führen. Als dann aber aus irgendwelchen Gründen ihm dieser Gemüsestand von offizieller Seite her abgenommen wurde, beschwerte er sich. Doch auf dem Amt gab man ihm Backpfeifen! Seine Würde wurde mit Füßen getreten. Suliman meinte weiterhin, dass diese Geschichte sich schnell herumsprach und sich auf Seiten wie Facebook oder Twitter verbreitete. So entstanden seiner Meinung nach die ersten Demonstrationen in Tunesien, die dann vor ein paar Wochen dazu führten, dass die tunesische Regierung aufgab. Das brachte einen Stein ins Rollen. Das änderte alles. Denn jetzt entstand Hoffnung. Scheinbar konnten sich die Menschen, die heute in verschiedenen arabischen Ländern auf die Straße gehen, keine andere Vorstellung von der Zukunft machen. Erst als in Tunesien eine Veränderung passierte, wurde die Vorstellungskraft der anderen Länder befreit.

 

Mich spricht das sehr an. Wie viele Jahre kann man mit der Vorstellung leben, dass der Status Quo alles ist. Es geht oft gar nicht darum, dass man nicht an eine Veränderung glauben kann. Oft fehlt der Schritt davor: eine Vorstellung davon, wie es anders sein kann. Man wird sich nicht gegen den Status Quo auflehnen, wenn man keine befreite Vorstellungskraft hat. Fehlt es nicht oft an Phantasie? Ich ertappe mich dabei, dass ich mich frage, ob mein Leben mehr als Arbeit, Familie, Luxus, Sicherheit und Spaß sein kann. Bevor ich allerdings glauben kann, dass es mehr gibt, brauche ich erst einmal eine Vorstellung. Dann erst kann ich entscheiden, ob ich an die Realisierung glaube oder nicht! Ich wünsche mir einen ähnlichen Aufstand, einen Aufstand der Seele. Ein Aufstand, der sich gegen ein abgespecktes Leben auf Sparflamme richtet. Daher begebe ich mich auf die Suche nach anderen Aufständlern. Nach anderen Verrückten, die von einer anderen, besseren Zukunft träumen. Einige Verrückte habe ich bereits gefunden. Und Gott ist derjenige, der diesen Aufstand anzettelt. Jesus kam, um uns zu zeigen, dass Leben mehr sein kann. Er ist die Inspiration, die unsere Vorstellungskraft ankurbelt und befreit. Gemeinsam sind wir im Aufbruch. Hoffentlich kommen viele Steine ins Rollen. Vielleicht braucht diese Welt nichts dringender, als Menschen, die mit offenen Augen träumen, deren Seele und Phantasie befreit ist um aufzustehen.

12.2.11 10:56

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